Donnerstag, 31. März 2011

Gemüsebauer für ein Jahr






(C) Max von Grafenstein - Hof Wendelin
Es soll ja auch noch andere Menschen in dieser Stadt geben, deren Balkone zu klein geworden sind. Die ebenso wie ich festgestellt haben, dass Zucchini, Möhren und Co einfach nicht als Kübelpflanzen taugen. Denen es nach „richtigem“ Salat und Kohl und Erbsen gelüstet. Oder die einfach mal was Neues ausprobieren wollen. Sie können dann einen ganzen Garten pachten – oder auch nur ein Beet.

Und es gibt eine ganze Reihe Bauern, die ihre Äcker den Gemüsegärtnern in spe gerne zur Verfügung stellen. Das Beet wird gegen ein geringes Entgelt für eine Saison gemietet, ist vom Bauern bereits bestellt und wartet auf seine Gärtner. Diese müssen nur noch kommen, gießen, jäten und ernten. Wasser und Gartengeräte sind meist im Mietpreis enthalten. Im Herbst ist Schluss, im nächsten Jahr wird neu verteilt.

Manchmal muss man die Stadt nicht mal verlassen, viele solcher Gärten sind am Stadtrand und natürlich etwas außerhalb. Dass sich die Hobby-Gemüsegärtner und die Äcker zueinander finden, dafür sorgen zum Beispiel Initiativen wie Bauerngarten oder Meine Ernte

Samstag, 26. März 2011

Neupächterschulung


Was für ein Wort! Vor vier Wochen erhielt ich die Einladung des Kleingartenvereins: Liebe Gartenfreundin, finden Sie sich doch bitte am 26. März im Vereinshaus ein, Sie werden beschult. Heute war ich also dran.

Als ich im Spätsommer die Kleingartenanlage das erste Mal betrat, fiel mir gleich ein Aushang auf, der die damaligen Neupächter dazu aufrief. Emil hat mich seither damit aufgezogen, und mich nur noch mit „Frau Neupächterin“ angesprochen – ab und zu ersetzte er das schwere Wort sogar durch das nicht minder schwere „Parteiversammlung“. Und dennoch: Er hat es nicht geschafft, mir die kindliche Freude darauf zu nehmen.

Der große Saal des Vereinshauses war festlich geschmückt – wahrscheinlich noch von der letzten Silvesterparty. Wann hatten mich eigentlich das letzte Mal feierlich mit Kreppband-Girlanden behängte Neonröhren an der getäfelten Decke behütet? In der Grundschule. Statt einem Lehrer gab es gleich mehrere, alles war ein bisschen wie früher. Eine Mischung aus Herbert Köfer und Heinz-Florian Örtel führte durchs Programm, die Gartenfachberaterin erinnerte mich heftig an Erika Krause.

Und was soll ich sagen? Es war cool! Selten war ich Zeuge eines solchen Harmoniums! Alle Vortragenden waren zwar mindestens so alt wie meine Laube – das allerdings nur äußerlich. Von innen heraus versprühten sie eine solche Liebe zum Gärtnern, dass ich nach sehr kurzweiligen sechs Stunden einige neue Weggefährten habe: Fruchtfolge, Mischkultur, Mulchen und Gemüseanbau. Und die Bratwurst in der Mittagspause erfreute mein thüringisches Herz.

Aber jetzt muss ich los, die Gummistiefel rufen. 

Sonntag, 20. März 2011

Die Laubensaison ist eröffnet

Der Frühling ist da! Wird ja auch Zeit – ist ja auch schon der Vorabend seines Anfangs sozusagen. Und wie er da war heute! Auf der kleinen ollen Banke vor der Laube – ja, genau die unter den Apfelbäumen – hat die Sonne jedenfalls die ersten Schokoladenkekse zum Schmelzen gebracht. Aus drei Schneeglöckchen sind ganze zehn geworden, die Rabatte zeigt, was in ihr steckt: Blausternchen, Krokusse, Tulpen und jede Menge grüne Spitzen, die es noch ein wenig spannend machen.

Das allerschönste aber ist, dass wir heute alles Destruktive abgeschlossen haben. Mit der riesigen Weide hat nun der letzte Todeskandidat die Parzelle verlassen. So richtig schick fand sie das nicht, Emil kannte aber keinen Pardon (und der Kleingartenverband ja schließlich auch nicht). Nun gibt es keinen Baum, der noch gefällt und erst recht keinen Wurzelstumpen, der noch ausgegraben werden muss. Ab heute wird nur noch gepflanzt statt rausgerissen. Ein schöner Start in den Frühling, unser erster in der Laube.

Von der Banke durch den Apfelbaum in den Himmel


Sonntag, 13. März 2011

Guten Tag, und wer sind Sie?

Es ist der erste Frühling in unserer Laube. Kennengelernt hatten wir uns im Herbst. Bis auf die letzten leuchtenden Spätsommerblumen machte die Parzelle eher einen traurigen Eindruck. Sie schien irgendwie verlottert. Ein paar wenige Stauden schauten bedripst aus der Rabatte, undefinierbare Ziergehölze durchpflügten den Rasen, der edle, uralte Apfelbaum rang nach Luft – die hatte ihm der jugendliche Revoluzzer-Knöterich längst abgedrückt. Am angriffslustigsten waren die Hecken. Sie hatten beschlossen, das Zepter in die Hand zu nehmen und alle sonstigen Mitbewohner in Schach zu halten. Selbstverständlich gab es eine lange Liste des Kleingartenverbands, die bestimmte, wer bei uns bleiben darf und wer nicht. Viele sind davon gekommen, andere hatten weniger Glück. Die „Todeskandidaten“ zu entfernen, hat uns im Herbst und Winter prima beschäftigt.


Und doch schwang eine Frage immer mit. Beim Ausbuddeln fieser oller Baumstümpfe, beim Halbieren der Hecken oder beim Umzug ursprünglich völlig deplatzierter Geschöpfe in neue Gefilde: Ist hier jemand? Wird hier jemals wieder was wachsen?


Während Krokusse die ganze Stadt bevölkerten, tat sich bei uns einfach nix. Nichts, bis heute. Bei 15 Grad und Sonnenschein konnten die Alteingesessenen dann noch nicht widerstehen und krochen aus ihren Verstecken. Und ganz zaghaft stellten wir uns vor: Guten Tag, Emil Pelle, Dagmar Parzelle. Und Sie? Manche haben uns ihren Namen gleich verraten, andere machen es spannend.  


Frau Schneeglocke
Tja, ich wohne hier. Mitten auf dem Weg.


Frau Henne, vorm Fettwerden.

Freitag, 11. März 2011

Ein Anfang

Ich habe es wirklich versucht. Immer wieder. Habe Worte gesammelt, aneinander gereiht, neu sortiert, ausgetauscht und von vorne angefangen. Wochenlang. Monatelang. Jetzt habe ich aufgegeben. Denn keiner kann es schöner sagen als der gute alte Erich (nicht, dass ich ihn bislang besonders verehrt habe, im Gegenteil). Diese Sehnsucht nach Erde, die immer schlimmer wird. Und die sich ausschließlich dadurch stillen lässt, dass man mit beiden Armen darin versinkt. Weil er es so schön hingekriegt hat, bekommt er seine eigene Rubrik auf diesem Blog.
Emil Pelle lebt. Und ich bin seine Frau, Dagmar Parzelle. Großstadtgärtnerin mit Balkon und einer Kindheit im großmütterlichen Bauerngarten. Emil ist zwar der Berlinischste Berliner überhaupt, in seiner Brust schlägt aber auch ein Gärtnerherz. Und deswegen haben wir jetzt eine Laubenlandparzelle. Die Parzelle gibt es schon seit 60 Jahren, die Laube „erst“ seit 1961. Ob wir es schaffen, ihr wieder das Leben von damals einzuhauchen, davon erzählt dieser Blog.
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