Montag, 9. Januar 2012

Späte Freude


„Mää’chn, dann kriegste mal gute Schwarzwurzeln“, sagte meine Großmutter, als ich ganz frisch Parzellenbesitzerin war und ihr von meinem lockeren, schwarzen Boden vorschwärmte. Und vermachte mir ihren Schwarzwurzelspaten. Der ist sehr schmal, hat ein besonders langes Blatt und stammt – genau wie ihr jetziger Garten – noch von ihrer Mutter, meiner Urgroßmutter. Unzählige Stunden verbrachte ich als Kind in diesem Garten und alle drei sind gleichermaßen Schuld an meiner Gartenbesessenheit. Mit diesem heiligen Spaten im Gepäck und einer Tüte Schwarzwurzelsamen aus der Gärtnerei machte ich mich natürlich ans Werk.

Zu sehr liebte ich dieses geheimnisvolle Gemüse als Kind, als dass ich es nicht direkt in der ersten Gartensaison ausprobieren musste. Zudem fand ich die Vorstellung ziemlich tröstlich, auch im Winter noch ab und zu nach Schätzen graben zu können.

Etwas spät im April gesät, ging trotzdem alles brav auf. Im Frühsommer ragten lange grüne Blätter aus der Erde, trotzten jedem Wetter, schmeckten weder den Läusen noch den Schnecken. Kurz: die Dinger sahen einfach gut aus. Oberirdisch jedenfalls.

Was ich nun zutage brachte, hat mich mehr als beglückt! Mitten im Berliner Schmuddel-Herbst-Winter-Fastfrühling konnte ich einen ganzen Korb dicker, langer Schwarzwurzeln ausbuddeln. Vor lauter Stolz hat mich nicht mal das Schälen gestört. Gummihandschuhe und Essigwasser leisteten echte Unterstützung. Kurz blanchiert und in Butter gedünstet – köstlich! Genau wie früher. Und wenn ich das nächste Mal nach Thüringen fahre und die Wühlmäuse den Rest auf meinem Beet noch nicht entdeckt haben, nehme ich das zweite Körbchen meiner Omi mit und koche für sie...
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